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Der Chemnitzer Hauptbahnhof


Die Stadt Chemnitz entwickelte sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts recht schnell zu einem der wichtigsten deutschen Industriestandorte. Neben dem weiteren Ausbau der Textilindustrie gewannen auch der Maschinen- und Fahrzeugbau sowie feinmechanische Industriebetriebe immer größere Bedeutung für das wirtschaftliche Ansehen der Metropole am Fuße des Erzgebirges.

Mit der ständigen Erweiterung der Industrieproduktion wurde jedoch das Fehlen schneller Verkehrswege für den effektiven Transport von Rohstoffen und dem Abtransport der Erzeugnisse zu den weltweiten Kunden der Chemnitzer Unternehmen immer deutlicher. Ideen, die Stadt Chemnitz durch einen Kanal mit dem stark expandierenden Schifffahrtsnetz dieser Jahre zu verbinden, scheiterten angesichts eines sehr hohen technischen und finanziellen Aufwandes schon in der Planungsphase.

Der notwendige Anschluss an die wichtigen Wasserverkehrswege und insbesondere an die Elbschifffahrt konnte nur über eine direkte Eisenbahnverbindung zu einer Hafenstadt an der Elbe realisiert werden.

Der 1. September 1852 war für die Stadt Chemnitz einer der wichtigsten Tage. Nach mehrjähriger Bauzeit einer Bahnstrecke nach Riesa fuhr erstmals ein Eisenbahnzug in einem Chemnitzer Haltepunkt an der Dresdner Straße ein. Es war geschafft. Die wichtige sächsische Industriestadt Chemnitz war über den Eisenbahnweg nach Riesa mit der sächsischen Landeshauptstadt Dresden und der Handelsmetropole und Messestadt Leipzig verbunden. Gleichzeitig befand sich in Riesa ein leistungsfähiger Elbhafen, über welchen ein großer Anteil des Chemnitzer Güterverkehrs abgewickelt wurde. Um dem anwachsenden Bahnverkehr gerüstet zu sein, wurde an der Dresdner Straße eine richtige Bahnstadion und 1854 ein Administrationsgebäude errichtet.

Schon vier Jahre später, am 15. November 1858, wurde in Chemnitz ein zweiter Bahnhof in der Nicolaivorstadt seiner Bestimmung übergeben. Mit diesem Tag erhielt die Bahnstadion an der Dresdner Straße die Bezeichnung Hauptbahnhof.

Der Anschluss der Stadt Chemnitz an das sächsische Eisenbahnnetz war jedoch nicht nur für Chemnitz selbst ein besonders wichtiger Schritt für die industrielle Entwicklung, sondern zugleich auch ein Grundstein für den Anschluss weiterer Städte an diesen Verkehrsträger. Der Ausbau des Netzes rund um Chemnitz wurde in den Folgejahren schnell vorangetrieben. So kamen in den Jahren 1866 (Annaberg), 1869 (Dresden), 1869 (Hainichen), 1872 (Leipzig), 1875 (Reitzenhain) und 1875 (Aue-Adorf) neue Eisenbahnanschlüsse und Direktverbindungen hinzu. Gleichzeitig wurde die Bahnstation an der Dresdner Straße ständig erweitert, um den wachsenden Anforderungen zu entsprechen.

In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts verfügte Chemnitz bereits über sieben Eisenbahnverbindungen. Täglich verkehrten 82 Personen- und 50 Güterzüge.

Bemerkenswert ist, dass in Chemnitz schon mehrere Jahrzehnte vor dem ersten Gleisanschluss Lokomotiven gesichtet wurden. Bereits um 1839 begann mit der "Pegasus" der Sächsischen Maschinenbau Companie der Lokomofivenbau in der Stadt.

Text: Jens J. Schuster